kunstwegen - unterwegs in einem offenen Museum fuer zeitgenoessische Kunst, Natur und Geschichte. Hier lockt ein Urlaub mit dem Fahrrad im Vechtetal mit Kunst als Leitmotiv.

Mark Dion

Mark Dion, The Haunter's Cabin and the Biological Field Station, 1999 Mark Dion, Biological Field Station (Innenansicht), 1999 Mark Dion, The Haunter's Cabin, 1999 Mark Dion, The Haunter's Cabin (Innenansicht), 1999
Mark Dion, The Haunter's Cabin and the Biological Field Station, 1999 Mark Dion, Biological Field Station (Innenansicht), 1999 Mark Dion, The Haunter's Cabin, 1999 Mark Dion, The Haunter's Cabin (Innenansicht), 1999

the haunter's cabin and the biological field station

Zwei abgelegene, unscheinbare Hütten stehen nicht weit entfernt voneinander am äußersten Rand des Naturschutzgebietes Brünas Heide. Direkt am Weg trifft man auf ein kleines Backsteingebäude mit gläserner Front, durch dessen Fenster zahlreiche naturwissenschaftliche Geräte, Karten und Präparate zu erkennen sind. Es ist eine Art Forschungsstation, deren kleines Vordach dem Wanderer auch als Regenschutz dient. Zugleich lässt sich im Innern an den Wänden manch interessante Information über die örtliche Flora und Fauna entdecken. Offensichtlich sind hier Forscher am Werk, es wird seziert, mikroskopiert, systematisiert.

Wechselt man zu der bereits leicht verfallen wirkenden hölzernen Jagdhütte hinüber, die durch einen umgestürzten und ins Dach gefallenen Baum zur nicht mehr zugänglichen Ruine geworden zu sein scheint, so lassen sich traditionelle Requisiten des Wildhüters entdecken: ein Feldbett, Gummistiefel, Geweihe, ein Feldstecher und eine Axt. Vielleicht hauste hier einmal ein Jäger, ein Einsiedler, der von und mit den Tieren, dem Holz, den natürlichen Ressourcen des Waldes lebte. Allmählich wird man gewahr, dass die Tür- und Fensterproportionen, ja das ganze Raumverhältnis geringfügig verkleinert sind, so als schrumpfe dieser ehemalige Lebensort langsam und versinke in der Vergangenheit.

Mark Dion verweist mit seinen beiden Gebäuden auf zwei unterschiedliche Haltungen des Menschen gegenüber der Natur, die beide auf lange Traditionen zurückblicken: den Forscher beziehungsweise den Jäger, deren Rollen in den letzten 100 Jahren jeweils einen bedeutenden Wandel vollzogen haben. So steht hier der mikroskopische Blick des Forschers dem makroskopischen des Jägers gegenüber, die systematisch ordnende Hand der naturverbunden nutzenden.

Während die historische Forstwirtschaft auf dem Rückzug ist - ihr Refugium zerstört von der Wucht eines umfallenden Baumes -, besinnt sich die klassische Wissenschaft zunehmend auf die Vernetzung der Ökosysteme. Sah es anfänglich so aus, als würde in der modernen Welt das wissenschaftliche Modell als ein kultureller Standard das traditionelle Modell er setzen, so finden in jüngster Zeit beide in gewisser Weise für eine neue Betrachtungsweise zusammen. Der Jäger hat seine eingefallene Hütte vielleicht nur verlassen, um mit seinen Erfahrungen die engen Blickwinkel in der Forschungsstation zu erweitern und zu bereichern.

Holz, Ziegel, verschiedene Materialien und Einrichtungsgegenstände, umgestürzter Baum, 2-teilig

Jagdhütte ca. 400 x 450 x 250 cm

Labor ca. 470 x 660 x 460 cm

 

 

 

 

über den künstler

1961 geboren in New Bedford/ USA

lebt und arbeitet in New York