zwolle

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Zwolle, die an der Vechtemündung gelegene Hauptstadt von Overijssel, kann auf eine lange und wechselvolle Geschichte zurückblicken. Die ersten Anwohner siedelten im 9. Jahrhundert auf einem leicht erhöhten, trockenen Gebiet in ansonsten sumpfiger Umgebung. Eine dieser landschaftlichen Erhebungen wurde »Soulle« genannt, daraus entstand der heutige Name der Stadt. Jener »höchste Punkt« der ersten Besiedelung liegt übrigens in der heutigen Sassenstraat.
Im Jahr 1230 erhielt Zwolle das Stadtrecht und konnte sich so dem Einfluss des Adels entziehen, der bis dahin Stadt und Umland regiert hatte. Mit der Zugehörigkeit zur Hanse (seit 1294 Mitglied, bestätigt erst seit 1407) gelangte Zwolle zu großer wirtschaftlicher Blüte. Noch im 17. und 18. Jahrhundert war Zwolle Umschlagplatz für Waren aus Deutschland nach Amsterdam und umgekehrt, ehe Napoleon dem 1806 ein Ende machte.
Der wirtschaftliche Aufschwung seit dem 15. Jahrhundert ging auch mit einem kulturellem Schub einher: Bekannt ist etwa der in Zwolle gebürtige Maler Gerard Terborch (1617–1681). Auch Meister Johan van den Mijneesten übte mit seinem Werk starken Einfluss auf Hieronymus Bosch, Guus van Leijden und Dürer aus, und die Holzaltäre aus den Werkstätten Arend van Trichts oder Willem Backerweerds waren weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt.
Heute ist die Provinzhauptstadt Zwolle mit 98.000 Einwohnern noch immer das kulturelle und wirtschaftliche Zentrum von Overijssel. Lohnenswert ist z. B. ein Besuch im Stedelijk Museum Zwolle, das mit historischen Ausstellungen und Wechselausstellungen moderner und zeitgenössischer Kunst überregionale Bedeutung erlangt hat. Dass die Stadt eigentlich selbst ein lebendiges Museum ist, kann man bei einem der historischen Stadtrundgänge erfahren, die im Sommer vom Fremdenverkehrsamt organisiert werden. Hier begegnet man den Überresten mittelalterlicher Stadtmauern und durchstreift die Innenstadt Zwolles, die mit ihrem sternförmigen Grachtengürtel noch so erhalten ist wie vor Jahrhunderten. Das eindrucksvolle »Sachsentor«, 1406 aus Backstein erbaut und mit Naturstein verziert, ist heute Sitz des »Rijksarchiefs« und symbolisiert wie kein anderes Bauwerk die Stadt. Vom »Peperbus« aus, dem markanten Turm der spätgotischen Kreuzkirche im Zentrum Zwolles, hat man bei klarem Wetter eine herrliche Aussicht über Stadt und Umgebung.
Besonders eindrucksvoll ist Zwolles Kathedrale am Grote Markt. Die monumentale gotische Hallenkirche mit drei Schiffen entstand zwischen 1406 und 1446 und wurde aus Bentheimer Sandstein und gelblichem Vulkanstein errichtet. Im Kircheninnern ist die berühmte Arp-Schnitger-Orgel vom Anfang des 18. Jahrhunderts untergebracht. Sie hat noch heute einen exzellenten Klang und gehört mit 4.000 Pfeifen und vier Manualen zu den schönsten Orgeln der Niederlande. Gleich hinter dem historischen »Rathaus« stößt man auf ein beschauliches Viertel, in dem viele Häuser an die Zeit der »Neuen Frömmigkeit« im Spätmittelalter erinnern. Hier taucht man in eine Atmosphäre längst vergangener Zeiten ein.
In der Kamperstraat befindet sich die »Stichting Kunst & Cultuur Overijssel«, die sich aktiv für die Förderung von Kunst, Kulturerhalt und Tourismus engagiert. Interessant ist auch der aufwendig angelegte Themenpark »Ecodrome«, der Besuchern aller Altersstufen Natur- und Umweltfragen nahe bringen möchte.
Auch die Naturlandschaft um Zwolle ist sehenswert. Zwischen Stadt und Vechtemündung ist der Fluss mit zahlreichen Kolken, Tümpeln und Altarmen ein wahres Vogelparadies. Die Flusslandschaft mit ihren Deichen und dem grünen Deichvorland ist die vielleicht »holländischste« aller Gegenden der Niederlande. Vor allem Maler und Dichter stellten immer wieder den breiten majestätisch strömenden Flusslauf dar und trugen dazu bei, dass sich Landschaften wie die um Zwolle als »malerisch« und »typisch« ins kollektive Gedächtnis einprägten.